Von Migrantinnen für Migrantinnen - Hilfe für Gewaltopfer

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Naska Rahman weiß, was es heißt, vor Krieg zu fliehen und sich in einem fremden Land zurechtzufinden. Sie kam im Jahr 2000 aus dem Irak nach Deutschland. Jetzt berät sie Migrantinnen in einem Projekt zur Gewaltprävention. Eine Aufgabe, die viel Einfühlungsvermögen erfordert.

Viele Frauen, die aus Syrien, dem Irak oder Iran nach Deutschland gekommen sind, möchten hier ein neues Leben beginnen. Nicht bei allen verlaufen die ersten Schritte reibungslos. Manche von ihnen erleben sexuelle und gewalttätige Übergriffe – in der Familie oder von Fremden in Aufnahmeeinrichtungen. Im bundesweiten Projekt "Gewaltprävention von Migrantinnen für Migrantinnen", kurz MiMi, erhalten diese Frauen Unterstützung von anderen Migrantinnen.

Beraten und stärken

"Die Frauen müssen lernen, Grenzen zu schaffen und sich durchzusetzen", so Naska Rahman, die für "MiMi" in Hamburg tätig ist. In ihrer Ausbildung zur Mediatorin hat sie gelernt, welche Formen von Gewalt es gibt und wie man sich davor schützt. Im Moment baut Rahman Kontakte zu Frauen aus Hamburger Flüchtlingsheimen auf, die Hilfe brauchen. Im nächsten Schritt wird sie Informationsveranstaltungen anbieten und versuchen, das Selbstbewusstsein der Frauen zu stärken.

"Wir begleiten die Frauen und informieren sie über ihre Rechte und Pflichten. Wir zeigen ihnen den Weg, wie sie sich vor sexuellen Übergriffen schützen können. Wir erklären, wie sie sich am besten an Behörden wenden, wo es Hilfe gibt – vom Gesundheitsamt bis zum Sozialarbeiter", so Rahman. Der Täter gerät dabei nicht aus dem Blick, aber im Zentrum des Engagements stehen die Opfer. Wichtig dabei: Alles, was passiert, beruht auf dem eigenen Willen der Frauen. Das Konzept geht auf. Die Frauen lernen, dass sie mit der Gewalt nicht leben müssen, dass Schutz möglich ist. Das wirke befreiend auf die Frauen, so Rahman.

Probleme verstehen


Der Beratungsbedarf sei immens, stellt die Hamburger "MiMi"-Projektkoordinatorin Mine Lavas fest. Dass gerade Migrantinnen wie Rahman zu den geflüchteten Frauen vordringen können, ist kein Zufall, sondern ein bewusster Ansatz. "Sie haben sprachlich und kulturell leichteren Zugang zu ihnen, können dadurch intensiver Vertrauen gewinnen und sie verstehen.", so Lavas. Sie kennen die Rolle der Frauen in den Herkunftsländern der Flüchtlinge. Sie wissen, dass dort ein anderes Verständnis von Autorität herrscht, als man es in Deutschland kennt.

Vorbild für andere Frauen

"Gewalt ist ein äußerst sensibles und schwieriges Thema. Die Konfrontation damit erfordert persönliche Stärke und einen gesunden emotionalen Abstand.", beschreibt Lavas die Anforderungen an die Mitarbeiterinnen des Projekts. Viele Mediatorinnen hätten bereits im sozialen Bereich gearbeitet. Sie sprechen gut Deutsch und sind Vorbilder für die Frauen, die neu in Deutschland sind.

Rahmans persönlicher Weg dürfte viele Migrantinnen ermutigen. Vor 16 Jahren flüchtete sie vor dem Krieg im Irak nach Deutschland. "Der Glaube, dass ich in Deutschland ein besseres Leben führen kann, war übergroß", erzählt sie.

Für Naska Rahman hat sich dieser Wunsch erfüllt. Inzwischen ist sie deutsche Staatsbürgerin, hat ein Studium der Wirtschaftswissenschaften abgeschlossen. Doch der Weg dahin sei lang gewesen, erzählt sie. Zehn Jahre habe sie gebraucht, um sich in Deutschland zurechtzufinden. "Ich will nicht, dass die Frauen hier so viel Zeit verlieren wie ich damals", begründet Rahman ihr Engagement.